Katie Zacharia

Katie Zacharia am Rednerpult im James Brady Press Briefing Room – ab dieser Woche die Stimme des Weißen Hauses, auch für die Bewertung der Zwischenwahlen. KI-generierte Illustration von Katie Zacharia im Zusammenhang mit ihrer Ernennung zur Pressesprecherin des Weißen Hauses. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)

Veröffentlicht im Oktober 2026

Eine Anon als neue Pressesprecherin des Weißen Hauses?

Lesezeit: 14 Minuten

Katie Zacharia postete über „Pedo Podesta“ und Devolution

Am 9. Oktober 2026 hat US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social die Juristin und Kommentatorin Katie Zacharia zur neuen Pressesprecherin des Weißen Hauses ernannt. Drei Tage später liegen drei Recherchen über das vor, was sie in den vergangenen Jahren selbst veröffentlicht hat: Beiträge zu Pizzagate, zu Q und zur Devolution-These. Ihr erstes Briefing ist für Dienstag, den 13. Oktober, angekündigt.

Trump verkündet die Personalie auf Truth Social

Zacharia folgt auf Karoline Leavitt, die das Amt seit Januar 2025 innehatte. Leavitt kündigte ihren Rückzug am 12. August an und schied am 27. August aus, nach eigener Darstellung, um mehr Zeit mit ihren kleinen Kindern zu verbringen, so die Associated Press. Die New York Times meldete die Personalie zuerst. Trump bestätigte sie am selben Nachmittag und lobte seine Kandidatin in einem Satz, der das Auswahlkriterium offenlegt:

„Sie hat eine makellose Bilanz der Unterstützung.“

„She has an unblemished record of support.“

Donald Trump, Truth Social, 9. Oktober 2026, zitiert nach Reuters. Übersetzung Loreley-Blog

Laut CNN ging die Entscheidung schnell. Eine Woche zuvor stand Zacharia noch auf keiner Liste. Mehrere Kandidaten mit größerem Namen fielen durch, weil sie Trump früher kritisiert hatten. Vor der Entscheidung holte Trump den Rat von Leavitt ein.

Pepperdine, Grenell, Heimatschutz, Trump Media

Zacharia ist 42 Jahre alt und lebt in Kalifornien. Ihren Bachelor und 2011 ihren Abschluss in Rechtswissenschaft erwarb sie an der Pepperdine University in Malibu. Mit diesem Abschluss ist sie nach Kayleigh McEnany, Sprecherin in Trumps erster Amtszeit, erst die zweite ausgebildete Juristin im Amt. Im Weißen Haus war sie schon einmal, als Praktikantin unter George W. Bush, berichtet Reuters – dieselbe Station wie zuvor McEnany.

Als Rechtsberaterin arbeitete sie für Fix California, eine Gruppe, die Richard Grenell gegründet hat, Trumps Sonderbeauftragter für Venezuela. Anfang 2026 war sie kurz Sprecherin des Department of Homeland Security (DHS, Heimatschutzministerium) unter Ministerin Kristi Noem. Im März schied sie aus; das Pendeln zwischen Kalifornien und Washington sei nicht durchzuhalten gewesen, gab ein Bekannter gegenüber CNN an. Seit Juni berät sie die Trump Media & Technology Group, das Unternehmen hinter Truth Social, in Kommunikationsfragen. Als Kommentatorin trat sie regelmäßig bei Fox News, Newsmax und CNN auf.

Was ein Internetarchiv über sie bewahrt hat

Den Anfang machte Brendan Hartnett vom Magazin The Bulwark. Er rekonstruierte über die Wayback Machine, ein öffentliches Internetarchiv, Beiträge aus einem Twitter-Konto, das Zacharia 2022 gelöscht hatte. Danach wertete Judd Legum mit seinem Newsletter Popular Information ihr Truth-Social-Konto aus: 2.696 Beiträge seit März 2022, davon 1.162 geteilte Fremdbeiträge. Am 12. Oktober legte CNN KFile nach, das Archivrechercheteam des Senders.

Im Kern der Befunde steht John Podesta, früher Stabschef im Weißen Haus und 2016 Wahlkampfleiter von Hillary Clinton. Am 4. September 2022, dem Tag, an dem sein Wechsel ins Biden-Weiße Haus bekannt wurde, schrieb Zacharia auf Truth Social:

„Pedo Podesta. #pedoPodesta“

Katie Zacharia, Truth Social, 4. September 2022, dokumentiert von Popular Information

Am selben Tag bezeichnete sie linke Hollywood-Eliten als pädophile Kannibalen. Drei Tage später fragte sie, unter Markierung von Trump und Fox-Moderator Sean Hannity, warum Fox keinen Beitrag über Podesta bringe; am 17. Oktober 2022 hakte sie bei Hannity nach. Im November 2022 würdigte sie den an Covid verstorbenen Publizisten Robert David Steele dafür, er habe die Pädophilenringe der Elite aufgedeckt.

Die Vorwürfe gegen Podesta stammen aus der sogenannten Pizzagate-Erzählung vom Herbst 2016: Seine von Wikileaks veröffentlichten E-Mails enthielten angeblich verschlüsselte Hinweise auf einen Kinderhändlerring im Keller der Washingtoner Pizzeria Comet Ping Pong. Im Dezember 2016 drang ein Mann aus North Carolina mit einem Sturmgewehr in das Lokal ein, um die Kinder zu befreien, und fand nichts – die Pizzeria hat keinen Keller, wie die Addison Independent festhält. Einen Beleg für die Vorwürfe gegen Podesta hat bis heute niemand vorgelegt.

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Benannt nach der höchsten Freigabe für Atomwaffengeheimnisse

Aus Pizzagate ging ab Oktober 2017 die Bewegung um Q hervor, einen anonymen Verfasser, der bis 2020 kryptische Nachrichten veröffentlichte. Er nannte sich „Q Clearance Patriot“. Der Name verweist auf eine reale Sicherheitsfreigabe: Die Q-Clearance ist die höchste Zugangsberechtigung des Department of Energy (DOE, Energieministerium der USA). Sie beruht auf dem Atomic Energy Act von 1954 (Atomenergiegesetz) und erlaubt den Zugang zu „Restricted Data“, also zu streng geheimen Informationen über Entwurf, Herstellung und Einsatz von Atomwaffen sowie über spaltbares Material. Im Rang entspricht sie der Stufe „Top Secret“ des Verteidigungsministeriums, wie die Fachplattform ClearanceJobs erläutert. Seine Anhänger lesen Q deshalb als militärischen Insider mit Zugang zu den sensibelsten Geheimnissen des Staates.

Sie selbst nennen sich „Anons“. Der Begriff stammt aus der Kultur der Imageboards 4chan und 8chan (anonyme Online-Foren), auf denen alle Nutzer ohne Namen posten und Q seine Nachrichten veröffentlichte.

Dass der Verfasser tatsächlich eine Q-Clearance besaß, ist nie belegt worden. Wer eine solche Freigabe hat und daraus Interna veröffentlicht, setzt sich zudem der Strafverfolgung aus. 2022 kamen zwei unabhängige Teams forensischer Sprachwissenschaftler zu einem anderen Ergebnis: die Schweizer Firma OrphAnalytics und die französischen Computerlinguisten Florian Cafiero und Jean-Baptiste Camps. Laut der New York Times stammen die ersten Q-Texte nach ihrer Stilanalyse vom südafrikanischen Softwareentwickler Paul Furber; Anfang 2018 übernahm Ron Watkins, Betreiber der Plattform 8chan, wie Engadget zusammenfasst. Beide bestreiten, Q zu sein. Furber erklärt die Übereinstimmung damit, dass er seinen Schreibstil an Q angepasst habe.

Trumps Wasserflasche als Q-Signal

Am 16. November 2022, am Tag nach Trumps Ankündigung seiner erneuten Kandidatur, fragte ein Truth-Social-Nutzer, ob jemand bemerkt habe, dass Trump bei seiner Rede mehrfach aus einer Wasserflasche trank. Er verwies dazu ausdrücklich auf die Q-Nachrichten 765, 767 und 847 und fragte, ob es sich um ein Signal handle. Zacharia antwortete, das habe sie sich auch gefragt, wie Popular Information dokumentiert. Die International Business Times hält fest, dass sie sich damit auf die Deutung einließ; eine förmliche Zugehörigkeit zur Bewegung belege das nicht.

Drei Kanonen statt 21 Schuss – Zacharias Beleg für Devolution

Unter Devolution verstehen ihre Anhänger die These, Trump habe vor seinem Ausscheiden aus dem Amt im Januar 2021 Befugnisse an das Militär übertragen und sei während Bidens Amtszeit der eigentliche Oberbefehlshaber geblieben. Ihr bekanntester Verfechter ist der Blogger Jon Herold, der unter dem Namen „Patel Patriot“ seit 2021 eine mehrteilige Reihe dazu veröffentlicht. Als zentrale Rechtsgrundlage dient ihm Executive Order 13848 (EO 13848, Präsidialverfügung von 2018 zu ausländischer Einmischung in US-Wahlen).

Am 3. April 2022 bat Herold auf Truth Social um Belege für seine These. Zacharia antwortete: Biden habe am Tag seiner Amtseinführung keinen präsidialen Salut aus 21 Schuss erhalten, sondern einen aus drei Kanonen mit rund neun Schüssen im Abstand von acht bis neun Sekunden. Gemeint war ein Signal des Militärs, dass Biden nicht der eigentliche Oberbefehlshaber sei. Vier Tage später teilte sie einen Beitrag Herolds, nach dem Trump seine Pflichten verletzt hätte, hätte er nach dem Ausscheiden aus dem Amt die Kontrolle über das Militär nicht behalten.

Dem steht der Ablauf des 20. Januar 2021 entgegen. Der Salut aus 21 Schuss wurde nicht nach der Vereidigung am Kapitol abgegeben, sondern bei Bidens Ankunft auf dem Nationalfriedhof Arlington, durch die Presidential Salute Battery (Salutbatterie des Präsidenten) der 3. US-Infanterie, wie die Faktenprüfer von Lead Stories und USA Today festhalten. Die Verlegung des Saluts ist dokumentiert. Die Deutung als verdecktes Signal stützt sich allein auf diese Verlegung.

Zum Inhalt schweigt das Weiße Haus

Die übrigen Funde verteilen sich über mehrere Jahre. Zacharia teilte die Behauptung, Michelle Obama habe mit dem Tod der Komikerin Joan Rivers zu tun. Bill Gates nannte sie wegen seiner Impfappelle einen Eugeniker, wie Mediaite zusammenfasst. Sie hält die Wahl 2020 für gestohlen. Im Juni 2025 forderte sie, Habeas Corpus auszusetzen – das Recht jedes Festgenommenen, einem Richter vorgeführt zu werden, der die Haft prüft. Kalifornien solle die Bundesregierung ganz übernehmen. Und im Dezember 2025 warnte sie die Republikaner gegenüber dem Publizisten Mike Cernovich vor einem Debakel bei den Zwischenwahlen, falls sie nicht umsteuerten.

Auf den Inhalt der Beiträge sind weder das Weiße Haus noch Zacharia eingegangen. Kommunikationsdirektor Steven Cheung erklärte gegenüber CNN lediglich, sie sei eine großartige Verstärkung für das Team. Popular Information verwies das Pressebüro auf Trumps Truth-Social-Beitrag zur Ernennung.

„1990“ steht nicht auf dem Heft

Im Netz entstand parallel eine zweite Lesart. Der X-Nutzer „Ric57“ stellte am 12. Oktober das Titelbild der Zeitschrift George neben ein Foto Zacharias: Das Heft stamme vom Februar 1990, John F. Kennedy Jr. habe es herausgegeben, die Frau auf dem Titel sei die heutige Pressesprecherin.

Auf dem Heft selbst steht „February 1997“. George erschien erstmals im September 1995, wie die Geschichte der Zeitschrift zeigt; 1990 gab es das Blatt noch nicht. Zacharia war im Februar 1997 zwölf oder dreizehn Jahre alt. Die Ausgabe ist unter Anhängern von Q seit Jahren begehrt, wegen eines Interviews mit Bill Gates und des Titels „Survival Guide to the Future“ – auf eBay erzielt sie Preise von über tausend Dollar, wie AOL beschreibt.

Weiter geht der Account „NewsTreason Channel 17“. Er spricht von einer gezielten Normalisierung: Die Medien, die Q jahrelang verspottet hätten, brächten die Themen nun selbst Millionen Amerikanern nahe – Zacharias Ernennung sei dafür das Vehikel. Unter den genannten Themen nennt der Account auch die Devolution-Theorie – dazu liegen, wie oben dargestellt, tatsächlich Beiträge Zacharias vor. Für eine gezielte Normalisierung durch die Medien gibt es dagegen keinen Beleg. Die naheliegendere Erklärung liefert die Auswahlpraxis selbst: Laut CNN wurde nach Loyalität gesiebt, wer Trump kritisiert hatte, schied aus. Eine Prüfung der Social-Media-Vergangenheit ist nicht bekannt.

Wer bewertet die Zwischenwahlen – und wer verkündet das Ergebnis?

Zacharia übernimmt das Amt drei Wochen vor den Zwischenwahlen am 3. November, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt werden. Mit dem Wahltag beginnt eine Frist, die unmittelbar in ihr Amt hineinreicht. Nach EO 13848 muss der Director of National Intelligence (DNI, Direktor der nationalen Nachrichtendienste) binnen 45 Tagen bewerten, ob sich ausländische Staaten eingemischt haben. Fällig ist das am 18. Dezember. Justiz- und Heimatschutzministerium haben danach weitere 45 Tage für ihren Bericht.

Eine Veröffentlichung sieht die Verfügung nicht vor. Die Bewertung zur Präsidentschaftswahl 2024 liegt seit 2025 vor und ist trotz der Vorgabe des Kongresses bis heute nicht öffentlich. Laut Quellen, die den Inhalt kennen, fand sie keinen Beleg für eine erfolgreiche Beeinflussung durch einen ausländischen Gegner. Die Bewertung zu den Midterms verantwortet DNI Jay Clayton, der sich in seiner Anhörung vor dem Senat am 15. Juli weigerte zu bestätigen, dass Joe Biden die Wahl 2020 gewonnen hat.

Was aus diesen Berichten an die Öffentlichkeit gelangt, verkündet das Weiße Haus. Die Stimme dafür ist künftig eine Juristin, die im April 2022 Jon Herold auf dessen Bitte hin Belege für seine Devolution-These lieferte – eine These, die EO 13848 als Grundlage einer Übertragung von Befugnissen an das Militär liest. Der Wortlaut der Verfügung gibt das nicht her: Sie erlaubt Vermögenssperren und Einreiseverbote gegen ausländische Personen und Staaten, weder die Verschiebung einer Wahl noch die Aufhebung von Ergebnissen. Durchführung und Bestätigung der Wahl liegen bei den Bundesstaaten.

Im James Brady Press Briefing Room des Weißen Hauses hat seit September kein Briefing mehr stattgefunden, wie News9 festhält. Ihr erstes soll Zacharia nach Trumps Ankündigung am Dienstag, dem 13. Oktober, abhalten, berichtet The Daily Beast.

Katie Zacharia
Amt
Pressesprecherin des Weißen Hauses, ernannt am 9. Oktober 2026, Nachfolgerin von Karoline Leavitt.


Ausbildung
Pepperdine University, Abschluss in Rechtswissenschaft 2011.


Stationen
Fix California, Sprecherin des DHS bis März 2026, Trump Media & Technology Group seit Juni 2026.


Truth Social
2.696 Beiträge seit März 2022, davon 1.162 geteilte Fremdbeiträge.


Frist
DNI-Bewertung zu den Zwischenwahlen nach EO 13848: 18. Dezember 2026.