Buchcover: Max Weber – Politik als Beruf (Reclam, gelbe Ausgabe)
Max Weber – Politik als Beruf

Max Weber – Politik als Beruf

Fokus: Gewaltmonopol, Herrschaft, Berufspolitiker

„Politik als Beruf“ geht auf einen Vortrag zurück, den der Soziologe Max Weber am 28. Januar 1919 in München hielt. Weber bestimmt darin den Staat über das Gewaltmonopol, unterscheidet drei Formen legitimer Herrschaft und fragt, welche Eigenschaften ein Berufspolitiker braucht. Das Buch steht in dieser Rubrik, weil es die Machtfrage im Innern des demokratischen Staates stellt.

Zusammenfassung für Eilige

Für Weber ist der Staat die Gemeinschaft, die auf einem Gebiet das Monopol legitimer Gewalt beansprucht. Politik heißt, nach Anteil an dieser Macht zu streben. In der Massendemokratie bestimmen Parteiapparate und Berufspolitiker das Geschehen. Von ihnen verlangt Weber Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß.

München, 28. Januar 1919

Max Weber (1864–1920) war Jurist, Nationalökonom und Soziologe. Den Vortrag hielt er vor dem Freistudentischen Bund in der Münchner Buchhandlung Steinicke. Es war der zweite Vortrag einer Reihe „Geistige Arbeit als Beruf“, nach „Wissenschaft als Beruf“ vom November 1917.

Das Datum liegt zwischen dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und der Gründung der Weimarer Republik, mitten in der Münchner Revolution. Eine stark erweiterte Fassung erschien im Juli 1919 als Broschüre. Weber starb elf Monate später.

Das Monopol legitimer Gewaltsamkeit

„Staat ist diejenige menschliche Gemeinschaft, welche innerhalb eines bestimmten Gebietes […] das Monopol legitimer physischer Gewaltsamkeit für sich (mit Erfolg) beansprucht.“

Max Weber, Politik als Beruf, 1919

Gehorsam beruht nach Weber auf einer von drei Formen der Legitimität: auf Tradition, auf dem Charisma eines Führers oder auf der Geltung gesetzter Regeln. Den modernen Berufspolitiker unterscheidet er danach, ob er für die Politik lebt oder von ihr. Ausführlich beschreibt er, wie Parteien zu Apparaten werden, die Wahlen organisieren und ihre Mitglieder versorgen.

Am Ende steht die Ethik des Politikers. Weber trennt die Gesinnungsethik, die nur nach der Reinheit der Absicht fragt, von der Verantwortungsethik, die für die absehbaren Folgen einsteht. Ein Politiker müsse beide verbinden. Politik sei ein „starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“.

Ein Reichspräsident als Gegengewicht

Weber wirkte an der Entstehung der Weimarer Verfassung mit. Nach Darstellung der Friedrich-Naumann-Stiftung unterstützte er Verfassungsvater Hugo Preuß in der Überzeugung, ein starker Reichspräsident könne ein Gegengewicht zu extremistischen Parteien im Reichstag bilden. Die Verfassung von 1919 ließ den Reichspräsidenten vom ganzen Volk wählen. Artikel 48 gab ihm Notstandsbefugnisse.

Die Lesarten gehen bis heute auseinander. Die DDR-Fachzeitschrift Neue Justiz schrieb 1948, Weber habe ein plebiszitärer Diktator vorgeschwebt. Dieselbe Quelle zitiert Weber aber auch mit der Forderung, der Reichspräsident müsse bei jedem Versuch, die Gesetze anzutasten, „Galgen und Strick“ vor Augen sehen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung hält fest, Weimar sei nicht wegen, sondern trotz seiner Verfassung gescheitert.

Das Grundgesetz zog eine andere Konsequenz. Der Bundespräsident wird nach Artikel 54 nicht vom Volk, sondern von der Bundesversammlung gewählt.

Kurz, dicht, düster

Der Text ist kurz, setzt aber Kenntnis der Lage von 1919 voraus. Weber schließt mit einer düsteren Prognose: Vor Deutschland liege „nicht das Blühen des Sommers“, sondern eine „Polarnacht von eisiger Finsternis und Härte“.

Die historisch-kritische Fassung steht im Band 17 der ersten Abteilung der Max Weber-Gesamtausgabe. Sie enthält auch Webers Stichwortmanuskript zum Vortrag. Als Hörbuch liegt der Text in mehreren deutschen Fassungen vor. Eine davon enthält zusätzlich Karl Jaspers’ Aufsatz „Max Weber als Politiker“.

Das Buch eignet sich für Leser, die verstehen wollen, wie Macht im demokratischen Staat organisiert ist und wer sie ausübt.

Loreley-Einordnung

Simone Weil wollte die Parteien abschaffen. Weber beschreibt sie als unvermeidliche Bedingung der Massendemokratie und fragt, welcher Mensch sie führen kann. Clausewitz bestimmt den Krieg als Mittel der Politik, Weber die Gewalt als Mittel des Staates. Damit liefert er die Begriffe, mit denen sich das Verhältnis von Bürger, Partei und Staat beschreiben lässt.

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