
Niccolò Machiavelli – Der Fürst

Fokus: Herrschaft, Macht, Loyalität
„Der Fürst“ (Il Principe) ist einer der zentralen Texte, um Machtpolitik zu verstehen. Niccolò Machiavelli war bis 1512 Sekretär der Florentiner Republik. Er schrieb das Buch 1513 im Exil auf seinem Landgut bei San Casciano. Vorher hatten die zurückgekehrten Medici ihn aus dem Amt gedrängt, unter Verschwörungsverdacht eingekerkert und foltern lassen. Das schmale Werk umfasst 26 Kapitel, ist Lorenzo de‘ Medici gewidmet und wurde erst 1532, nach dem Tod des Autors, gedruckt. Es beschreibt Herrschaft so, wie sie tatsächlich ausgeübt wird, und nicht so, wie sie sein sollte. Machiavelli nennt das die „verità effettuale“, die wirkliche Wahrheit der Sache. Sein Anschauungsmaterial ist die Politik seiner Zeit. Cesare Borgia dient ihm als Lehrstück dafür, wie Macht erobert und durch kalkulierte Härte gesichert wird. Fortuna ist bei ihm die launische Macht, die nach seiner Schätzung über die Hälfte unserer Handlungen entscheidet, und virtù die Tatkraft, ihr die andere Hälfte abzuringen. Die Kirche setzte das Werk 1559 auf den Index der verbotenen Bücher. Der junge Friedrich II. von Preußen veröffentlichte 1740 mit dem „Antimachiavel“ eine Gegenschrift. Im Dezember desselben Jahres marschierte er in Schlesien ein, und viele Historiker lesen diesen Feldzug als Lehrstück machiavellistischer Politik.
„Daraus entsteht die Streitfrage, ob es besser sei, geliebt als gefürchtet zu werden, oder umgekehrt. Man antwortet, dass man das eine wie das andere sein möchte; da es aber schwer ist, beides zu vereinen, ist es weit sicherer, gefürchtet als geliebt zu werden, wenn man schon auf eines von beiden verzichten muss.“
„Nasce da questo una disputa: s’elli è meglio essere amato che temuto, o e converso. Rispondesi che si vorrebbe essere l’uno e l’altro; ma, perché elli è difficile accozzarli insieme, è molto più sicuro essere temuto che amato, quando si abbi a mancare dell’uno de‘ dua.“
Niccolò Machiavelli, Il Principe, Kapitel 17, 1513. Übersetzung Loreley-Blog
Ob Machiavelli den Tyrannen Ratschläge gab oder sie entlarvte, ist bis heute offen. Jean-Jacques Rousseau las den Fürsten 1762 im „Gesellschaftsvertrag“ als verdeckte Warnung an die Völker und nannte ihn das Buch der Republikaner. Der Politikphilosoph Leo Strauss bezeichnete Machiavelli 1958 als „Lehrer des Bösen“. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler sieht in ihm dagegen den Begründer des neuzeitlichen politischen Denkens: Machiavelli trennt die Macht von der Moral, um sie überhaupt analysieren zu können. Für das Verständnis Trumps ist das Buch relevant, weil sein politischer Stil immer wieder entlang der Kategorien funktioniert, die Machiavelli seziert. Loyalität wirkt dort als Währung, hinzu kommen die Kontrolle über Gegner, die öffentliche Inszenierung von Stärke und das Misstrauen gegenüber dem eigenen Hof. Im 23. Kapitel warnt Machiavelli vor Schmeichlern und vor Ratgebern, die eigene Interessen verfolgen. Das liest sich wie ein Kommentar zu der Personalfluktuation der ersten Amtszeit, die die Brookings Institution dokumentiert hat. Wer den Fürsten kennt, erkennt das Muster. Machtpolitik hat sich in fünfhundert Jahren weniger verändert als ihre Rhetorik.
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