
KI-generierte Illustration von Donald Trump mit der National Medal of Science seines Onkels John G. Trump bei der Zeremonie im Weißen Haus am 8. Oktober 2026. Keine Originalaufnahme. Bild: KI-generiert (Loreley-Blog)
Tesla-Akte, Weißes Haus, Medizin
Was Trumps Onkel 1943 in Teslas Akten fand
Washington – Bei einer Ordensverleihung im Weißen Haus am 8. Oktober erzählte Präsident Donald Trump, sein Onkel habe Nikola Teslas Werk für die US-Regierung geprüft. Ein viraler Beitrag auf X feiert das als Bestätigung einer „langen Verschwörungstheorie“. Tatsächlich ist der Auftrag seit 1943 dokumentiert – wie Loreley herausfand – samt Gutachten, Lücken und einer kaum bekannten medizinischen Seite.
Trump sagte bei der Zeremonie, John G. Trump habe Tesla im Regierungsauftrag begutachtet und ihn für „ein wahres und großes Genie“ („a true and great genius“) befunden. So gibt Newsweek die Rede wieder. Kurz zuvor hatte der Präsident die National Medal of Science seines verstorbenen Onkels überreicht bekommen.
Das Gutachten liegt seit Jahrzehnten offen. Nach der PBS-Dokumentation „The Missing Papers“ beschlagnahmte das Office of Alien Property zwei Tage nach Teslas Tod im Januar 1943 dessen Besitz im Hotel New Yorker. John G. Trump war damals für das National Defense Research Committee tätig. Er prüfte die Papiere drei Tage lang.
Sein Befund betraf ausdrücklich Teslas letzte fünfzehn Jahre. Die Arbeiten aus dieser Zeit seien vorwiegend „spekulativer, philosophischer und etwas werbender Natur“ gewesen („primarily of a speculative, philosophical, and somewhat promotional character“, Übersetzung Loreley-Blog), ohne neue, umsetzbare Prinzipien. Über das Frühwerk – Wechselstrom, Induktionsmotor, Hochfrequenztechnik – sagt der Satz nichts.
Offen bleibt, was fehlte. Teslas Neffe Sava Kosanović vermisste laut PBS ein schwarzes Notizbuch mit mehreren hundert Seiten, die teils mit „Government“ beschriftet waren. Kopien der Strahlenwaffen-Papiere gingen nach dem Krieg an die Air Force und sind seither verschwunden. Der übrige Nachlass kam 1952 nach Belgrad.
Hochfrequenzstrom am eigenen Leib: Teslas Medizin
Tesla war kein Arzt, befasste sich aber über Jahre mit der Wirkung von Strom auf den Menschen. Eine medizinhistorische Übersicht der Universität Rijeka verweist auf einen Selbstversuch, über den er 1891 in Electrical World berichtete: Hochfrequenzstrom floss durch seinen Körper und erzeugte dort Wärme.
Im September 1898 stellte er der American Electro-Therapeutic Association in Buffalo Hochfrequenz-Oszillatoren für elektrotherapeutische Zwecke vor. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nach Wilhelm Conrad Röntgens Entdeckung bereits zehn Aufsätze über die neuen Strahlen veröffentlicht. Er arbeitete mit selbst gebauten Röhren und Schirmen.
1896 ließ er einen Ozongenerator patentieren. Die 1900 gegründete Tesla Ozone Company verkaufte die Geräte an Ärzte. Daneben stehen Spekulationen: Tesla hielt es 1896 für denkbar, Arzneistoffe mit Röntgenstrahlen gezielt in den Körper zu treiben. Ein Nachweis dafür blieb aus.
In Deutschland wurde aus dieser Linie ein Behandlungsverfahren. Der Arzt Karl Franz Nagelschmidt setzte Hochfrequenzströme nach Anregungen Teslas und Arbeiten des Physikers Walther Nernst ein. 1909 beschrieb er das Verfahren in der Münchener Medizinischen Wochenschrift unter dem Namen „Diathermie“. Die Tiefenwärme gehört bis heute zur Physiotherapie.
Der Gutachter baute selbst Geräte für die Krebstherapie
Der Prüfer von 1943 war selbst Medizintechniker. Gemeinsam mit Robert Van de Graaff entwarf John G. Trump einen der ersten Röntgengeneratoren mit einer Million Volt. Das Gerät ging 1937 in Boston in die klinische Krebsbehandlung. An der Lahey Clinic entstand unter seiner Leitung später die Rotationsbestrahlung.
Genau diese Arbeit stellte das Weiße Haus am 8. Oktober im Video zur Medaille heraus. Der Mann, der Teslas Spätwerk als spekulativ einstufte, arbeitete damit auf einem Feld, das Tesla vier Jahrzehnte zuvor mit Hochspannung und Röntgenröhren betreten hatte.
Die angebliche Enthüllung ist Archivgut. Zur Legende wurde sie, weil Washington und Belgrad den Zugang zu Teslas Papieren über Jahrzehnte beschränkten und Kopien spurlos verschwanden. Wo der Staat Akten zurückhält, füllt Spekulation die Lücke. Ein Präsident, der Familiengeschichte erzählt, statt das Gutachten zu zitieren, liefert ihr neuen Stoff. Und genau das hat Donald Trump mit diesem medialen Auftritt gewollt – Nikola Tesla in die Gegenwart zu holen. Er erzählte die Geschichte bei der Ehrung von Elon Musk, den er im selben Auftritt „unseren modernen Thomas Edison“ nannte.




